Die Montagsfrage: Hört ihr Stimmen oder seht ihr Bilder beim Lesen?

21.6.21


Diese Montagsfrage (gestellt von Nerd mit Nadel) finde ich ganz interessant und auch, wenn viele meiner Leseerfahrungen sich mit den anderen Antworten dieser Montagsfrage decken, möchte ich dazu auch etwas schreiben: ich für meinen Teil habe schon immer beim Lesen eine Leserstimme im Kopf. Beim Lesen höre ich meine eigene Stimme, je nach Charakterisierung der Personen im Buch, fällt diese Vorleserstimme in verschiedene Chargen, normal, höher, tiefer, kratziger und so weiter.

Ich kenne aber auch Leser, die beim Lesen keine Stimme im Kopf haben. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, denn für mich ist diese Leserstimme auch ein wichtiger Teil, wie ich die Atmosphäre und die Umgebung im Buch wahrnehmen und so komme ich zum zweiten Teil der Frage, ob ich Bilder beim Lesen sehe. Beim Lesen sehe ich nicht sofort ein Bild. Es ist vielmehr eine Momentaufnahme der beschriebenen Situation, aber bis ich das ganze Bild sehe, muss ich die verschiedenen Puzzleteile zusammensetzen, die dann das Große und Ganze ergeben. Doch auch wenn ich die Bilder vor meinem geistigen Auge sehe, so sind die beschriebenen Charaktere nie ganz ausgereift in meinem Kopf. Ich sehe Charaktere nie so, wie sie in dem Buch beschrieben sind, bis ins kleinste Detail, sofern sie überhaupt markante Erscheinungsmerkmale, wie auffällige Haare, Narben, Hautfarbe und Kleidung haben, nehme ich diese in meinem Kopfkino schon eher wahr.

Kenne ich von einem Buch bereits die Verfilmung, oder sehe mir diese nach dem Lesen des Buches an und lese das Buch später erneut, so verschmelzen die Grenzen von der Verfilmung und dem eigenen Kopfkino und am Ende ist da ein ganz interessantes Bild entstanden, welches sich immer wieder auftut, wenn ich das Buch lese. Ich persönlich finde das nicht schlimm. Es für mich ein Zeichen, dass die Beschreibung vom Buch mit der aus meinem Kopfkino so gut wie übereinstimmen. Ich habe aber auch bereits das Gegenteil erlebt. In der TV-Adaption der Cormoran Strike-Bücher von Robert Galbraith (J. K. Rowling), passt das Bild, welches ich von Cormoran Strike im Kopfkino habe, nicht mit dem der TV-Adaption überein. Die Serienadaption-Version des Detektiv, ist in meinen Augen viel zu sauber und fernsehfreundlich. Ich habe mir Cormoran immer noch etwas größer, bulliger und ungepflegter vorgestellt, sodass dieses Bild auch weiterhin in meinem Kopfkino erhalten bleibt.

Jetzt, je ich mehr über diesen Prozess beim Lesen nachdenke, desto interessanter finde ich diesen. Die liebe Sophia von Wordworld hat dazu auch eine interessante Sichtweise (sogar psychologisch untermauert, was ich noch spannender finde).

Wie ist das bei euch?
Hört ihr eine Stimme oder seht ihr Bilder beim Lesen?
:)

Das könnte dir auch gefallen:

7 Kommentare

  1. Hey Nico,

    vielen Dank für die Verlinkung! Das freut mich wirklich riesig! Ich war mir nicht ganz sicher, ob außer mir noch jemand meinen kurzen psychologischen Ausflug spannend finden würde, aber ich konnte bei diesem Thema einfach nicht widerstehen 😁
    Ansonsten ähnelt viel von dem, was du beschreibst dem, was auch ich erlebe. Besonders das mit den Filmen finde ich auch spannend. Bei mir mischen sich meine eigenen Bilder und die Bilder des Filmes auch oft, was bei einem Reread oder einem Rewatch häufig zu witzigen Deja-Vu-Momenten, manchmal aber auch zu großer Verwirrung führt. 👌

    Liebe Grüße
    Sophia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sophia,

      nichts zu danken. :)
      Das mit den Verwirrungen kommt mir auch sehr bekannt vor. Besonders dann, wenn im Film eine Szene hinzugedichtet wurde und ich diese dann im Buch suche und nicht finde. :D
      Den psychologischen Ausflug fand ich sehr spannend und ich glaube, dass es noch andere Leser gibt, die diesen interessant finden. :)

      LG
      Nico :)

      Löschen
  2. Hallo,
    ich finde es toll, dass du auch auf die Erfahrungen eingehst, die du beim Lesen von Büchern gemacht hast, zu denen du die Filme oder Serien kennst. Da habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie du es beschreibt und gehe darauf auch in meinem in der Montagsfrage verlinken Beitrag zur Lesewahrnehmung ein.
    Viele Grüße
    Ariane

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Ariane,

      ich habe mir gerade deinen Beitrag durchgelesen und fand diesen sehr interessant. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich Leute lesen lernen, wie zum Lesen gekommen sind und wie sie damit umgehen und daran wachsen.

      Ich war bis zur neunten Klasse kein großer Leser, hatte aber, was das Lesen angeht, nie Probleme damit gehabt und in meinen Zeugnissen der Grundschule wurde immer wieder betont, wie gut ich doch schon ungeübte Texte lesen konnte.

      Andererseits kenne ich Vielleser, die aber Probleme mit dem Lesen bzw. dem Schreiben haben. Das finde ich ein wenig paradox, wenn man bedenkt, dass man durchs Lesen das Schreiben verbessern kann.

      Die Lesewahrnehmung ist ein interessantes Thema, in das ich mich zu gegebener Zeit mal mehr einlesen werde.

      Lieben Gruß
      Nico :)

      Löschen
  3. Huhu!

    Das ist eine spannende Frage :)
    Ich höre beim Lesen keine Stimme, weder meine eigene noch eine andere :D Ich hab darüber nämlich auch schon mal nachgedacht und eine zeitlang aufgepasst.
    Beschreiben kann ich das jetzt gar nicht genau, was mit den Wörter passiert während ich sie lese, ich hab da keinen Ton und auch kein Bild, sondern Gefühle. Also, es ist schwer zu erklären.
    Wie du "sehe" ich die Figuren auch nicht direkt, selbst Haarfarben hab ich oft nicht präsent im Kopf. Mir prägen sich eher der Charakter ein, wie sie sind und das gibt dann ein "Bild" ab, aber eben kein visuelles...

    Cormoran Strike hab ich ja auch gelesen - und danach angeschaut. Ich hätte ihn mir auch anders vorgestellt, fand die Besetzung aber tatsächlich echt gut getroffen :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Aleshanee,

      die Lesewahrnehmung ist ein interessantes Thema, finde ich. Bevor dieser Montagsfrage, habe ich mir darüber nie wirklich Gedanken gemacht und dachte, dass jeder beim Lesen eine innere Stimme hört und Bilder vor dem geistigen Auge sieht.

      Aber so viele Leser es gibt, so viele unterschiedliche Wahrnehmungen gibt es, stelle ich gerade fest. Viele Erfahrungen überschneiden sich, aber dennoch gibt es dann diesen individuellen "Touch" (mir fällt gerade kein besseres Wort ein). Bei dir lese ich zum ersten Mal, dass du beim Lesen mehr den Charakter wahrnimmst. Das habe ich so noch gar nicht gelesen, finde das aber auch sehr interessant.

      Cormoran funktioniert in der Serie als solches ganz gut, da stimme ich dir zu. Aber so ist das eben, man kann nicht jeden, der die Bücher kennt und sich an sein eigenes Kopfkino gewöhnt hat, mit der Darstellung im realen Film zufriedenstellen. Wer weiß, was andere Leser an den Verfilmungen auszusetzen haben.

      Liebe Grüße
      Nico :)

      Löschen
    2. Ich hab das ja auch im "echten Leben", dass ich andere Menschen oft mehr erfühle als "sehe". Von der Ausstrahlung her kommt sehr viel bei mir an und ich bin sehr in Gefühlen verstrickt, es ist echt schwer auszudrücken... in meiner Wahrnehmung bildet sich ein Gesamtbild von vielen Aspekten, aber vor allem dem, was meine Empathie mir mitteilt. Und so ist es bei den Figuren in Büchern ebenso.
      Eben ein Charakterbild anstatt eines visuellen Bildes :)

      Jap, auf jeden Fall. In der Regel liest man ja zuerst und hat so eine bestimmte Vorstellung. Bei Cormoran hatte ich tatsächlich auch ein visuelles Bild im Kopf, das war hier aber auch sehr prägnant. Das Aussehen in der Serie von ihm hat mich im ersten Moment auch etwas draus gebracht, weil das so gar nicht in meine Vorstellung gepasst hat, aber was charakterlich rüberkommt war wieder übereinstimmend ;)
      Das ist echt schwierig, da bei jedem Leser den richtigen Nerv zu treffen bei der Verfilmung.

      Beim Damengambit hatte ich ja erst die Serie gesehen und ich weiß nicht, wie ich das Buch empfunden hätte ohne die geniale Darstellung der "Beth Harmon" im Kopf zu haben. Die Schauspielerin hat ja ein sehr "markantes" Aussehen (mir fällt grade kein anderer Ausdruck ein, ich denke du weißt, was ich meine), das prägt sich natürlich sehr ein.

      Löschen